Rumänien 2026: Notizen zur Wirtschaft

Seit unserem Aufenthalt in Rumänien nach dem Umsturz im Jahr 1990 ist viel passiert. Das sieht man zum Beispiel in der Provinzstadt Tirgu Mures, wo wir damals lebten.

Der Kinderspielplatz auf dem Plateau über der Stadt von Tirgu Mures: Die Trostlosigkeit des offenbar mit wenig Sachverstand geschmückten Flieger-Karusell verbreitete die Melancholie des bankrotten Sozialismus. Er war 1990 Geschichte. Aber er sollte noch lange seine Spuren behalten.

Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin, sein Name war in den Staaten des so genannten Ostblocks jedem präsent. Und wohl auch den Kindern Rumäniens. Dieser Kinderspielplatz blieb wohl mehr als zwanzig Jahre unverändert. Die Fotos hier stammen von unserem Besuch im Jahr 2007. Das ist fast zwanzig Jahre her. Heute ist hier alles anders: Ein gigantischer moderner Spielplatz mit einer Jogging-Bahn und einem modernen kleinen Restaurant wurde stattdessen gebaut, mit grosser Wahrscheinlichkeit mit Fördermitteln der EU. Das alte Restaurant ist am Rande noch als Ruine da. Hier konnte man 1990 gelegentlich Bier kaufen, musste allerdings dazu Flaschen selber mitbringen. Das Bier war nicht pasteurisiert und nicht haltbar.

Bis 2007 hatten wir das Land regelmässig bereist und kaum Fortschritte feststellen können. Die Plattenbauten waren so trostlos wie damals, es gab zwar mittlerweile alles zu kaufen, aber am Stadtbild hatte sich wenig geändert. Guckte man genauer hin, so konnte man allerdings feststellen, dass die Fenster vielerorts ausgewechselt wurden: Die Energiepreise wuchsen von Jahr zu Jahr und das Auswechseln der Fenster war die beste Massnahme, diese wuchernden Kosten einzudämmen.

Symbol des Stillstands waren für uns auch die Schilder aus der Zeit des Sozialismus. Heute betrachten wir die Bilder mit einer gewissen Nostalgie und einem neuen Verständnis für die Ästhetik des Sozialismus. Mittlerweile gibt es ja Kunstbücher zu diesem Thema.

Tirgu Mures Oktober 2007. Fotos Dominik Landwehr

Tatsächlich verlief die wirtschaftliche Entwicklung Rumäniens seit 1990 diskontinuierlich. Der Eindruck eines wirtschaftlichen Stillstandes in den 1990er Jahren bestätigen die Zahlen. Der Bruch kam 2007 mit der Integration des Landes in die EU. Ab diesem Moment an ging es aufwärts, wenn auch mit einem neuerlichen Absturz während durch die Finanzkrise im Jahr 2009. Heute nähert sich das Bruttoinlandprodukt des Landes dem Durchschnitt der EU an – es liegt bei etwa 80 Prozent des EU-Schnittes. Das merkt man sofort an den Preisen: Die Lebenshaltungskosten scheinen uns verhältnismässig hoch zu sein. Das gilt etwa für Nahrungsmittel und Essen im Restaurant. Für eine Mahlzeit ohne Alkohol bezahlten wir im September 2026 etwa 20 Euro. Ein Kaffee kostete zu unserer Überraschung 2 bis 4 Euro und eine Kugel Eis etwa 2 Euro. Das sind ähnliche Preise wie etwa in Italien. Die Löhne sind noch nicht auf EU-Niveau und liegen gemäss Statistik bei 1165 Euro pro Monat netto. Der Mindestlohn liegt bei 850 Euro pro Monat.

Oben und Mitte: In der Innenstadt von Tirgu Mures. Unten: Das renovierte Kastell als Naherholungszone
Fotos September 2026 Dominik Landwehr

Das zeigt sich auch optisch: Die Innenstädte wirken aufgeräumt, viele Häuser renoviert. Historische Denkmäler wie etwa das Kastell von Tirgu Mures wurden zu eigentlichen Naherholungsanlagen umgebaut. Die Präsenz ausländischer Grossverteiler ist unübersehbar, Lidl zum Beispiel scheint zu einem Teil der rumänischen Alltagskultur geworden zu sein. Die Tankstellen sind wie in Westeuropa kleine Erholungszonen mit Läden und Coffeeshop, betrieben werden sie allerdings immer noch von den alten Firmen: Rompetrol und Lukoil sind zwei Namen, die uns in Erinnerung geblieben sind.

Auch wenn Rumänien (noch) kein Top-Reiseland ist, es gibt an einigen Orten einen ansehnlichen Tourismus: So etwa in Brasov (Kronstadt), Sinaia, Sigishoara (Schässburg) und wohl auch am Schwarzen Meer, dort waren wir aber nicht.

Oben: Brasov, Mitte: Sigishoara, Unten: Sinaia, einstiges Kurhotel. Fotos September 2026 Dominik Landwehr