Die verschwundenen Pferdewagen von Siebenbürgen

Noch vor 20 Jahren prägten sie das Strassenbild in den Dörfern Siebenbürgens: Die Pferdewagen. Heute sind sie fast ganz verschwunden.

Auch wenn der Ort Saschiz/Keisd heute Unesco-Welterbe sind, so sind doch viele Häuser am zerfallen, ihre Bewohner sind längst weg. Allerdings gibt es einige junge Idealisten, die an die Zukunft der Region glauben und auch das Tourismus-Projekt mittragen. Das Foto entstand im September 2026. Foto Dominik Landwehr

Aus unserer Sicht wirken die Strassen Siebenbürgens heute klinisch und etwas monoton. Der Grund ist einfach: Die Pferdewagen und -Fuhrwerke fehlen. Sie prägten nach der Öffnung des Landes in den 1990er Jahren das Strassenbild und waren auch bei unserem Besuch im Jahr 2007 omnipräsent. Auf unserer Reise via Brasov und Sigishoara nach Tirgu Mures und Reghin haben wir genau einen einzigen solchen Pferdewagen angetroffen. Nicht zufälligerweise im malerischen Orten Saschiz/Keisd.

Es war der einzige Pferdewagen auf unserer Reise. Die Autos und Traktoren haben ihm längst den Rang streitig gemacht. Das Foto entstand im September 2026. Foto Dominik Landwehr

Der Ort ist heute wie die Nachbargemeinde Rupea/Reps Unesco-Welterbe und erinnert an die lange Zeit der Präsenz Deutscher Siedler in Siebenbürgen. Sie sind schon in den 1990er Jahren nach Deutschland gezogen. Ihre Häuser stehen zum Teil leer, zum Teil  haben sie neue Besitzer gefunden. Das Dorf Saschiz hat nicht zuletzt dank dem neuen Tourismus-Projekt «Transilvanica» eine bescheidene Infrastruktur für Touristen aufgebaut mit Pensionen und einem kleinen Laden. Ein Projekt, das uns begeistert, auch wenn wir noch keine der vorgeschlagenen Wanderunge unter die Füsse genommen haben. Die Landschaft mit ihren alten Häusern und Strassendörfern hat einen melancholischen Reiz, der einen sofort in Bann zieht.

Im Dorf finden wir ein Schild der Via Transilvanica. Wer die Einsamkeit liebt, dem sei dieses Projekt ans Herz gelegt. Gleich am Ausgang des Dorfes endet die Fahrstrasse und der Feldweg beginnt. Nur bei Regen sollen die Wege hier ziemlich schlammig sein. Das Foto entstand im September 2026. Foto Dominik Landwehr

Zuhause dann durchforsten wir unser Archiv und stossen auf eine ansehnlich Sammlung von Bildern solcher Pferdewagen von unserer Reise im Jahr 2007, im gleichen Jahr als Rumänien in die EU aufgenommen wurde. Wir hatten den Eindruck, dass sich seit der Öffnung im Jahr 1990 wenig verändert hatte. Das änderte sich fast schlagartig mit dem Eintritt in die EU. Das belegen auch die Zahlen. Nun stieg endlich das Bruttoinlandprodukt und die Lebensbedinungen für die Bevölkerung verbesserten sich. Die Pferde verschwanden langsam aus dem Strassenbild. Teilweise waren neue Gesetz dafür verantwortlich, die es verbaten, mit solchen Vehikeln Hauptstrassen zu befahren. Wohl zu Recht: Die Wagen fuhren in der Regel nachts ohne Licht, die Kutscher waren öfters betrunken. Fahrten in der Nacht galten in Rumänien nicht zuletzt aus diesen Gründen als gefährlich.

Für unsere Nostalgie hier ein paar Fotos aus dem Jahr 2007. Sie entstanden in der Region von Maramures im Norden des Landes nahe der Grenze zur Ukraine.