Das kleine Bergdorf Mon oberhalb von Tiefencastel hat eines der bemerkenswertesten Kircheninterieurs des Kantons mit zahlreichen Szenen aus dem Leben des Heiligen Franziskus von Assisi.Mon gehört heute zur Gemeinde Albula
Die Kirche an prominenter Stelle am Rand des Dorfes ersetzte die etwas ausserhalb gelegene kleinere Kapelle Cosma und Damian. Die neue Kirche wurde 1643 und 1648 von der Kapuzinermission Graubündens erbaut. Sie dürften für den Bau und die Innenausstattung erhebliche Mittel aufgewendet haben – der Maler hat das im Innern sogar in einer eigenen Freske zum Ausdruck gebracht.

Gebaut hat die Kirche der Baumeister Giulio Rigaglia aus Roveredo, er schurf einen schuf einen Kirchenraum, der ganz im Dienst der franziskanischen Botschaft steht und der Gegenreformation stand, denen sich die Kapuziner im Kanton Graubünden besonders verschrieben hatten. Geweiht wurde die Kirche erst im Jahr 1663 durch den Churer Bischof Ulrich VI. de Mont.
Besonders bemerkenswert ist die Innenausstattung, sie stammen vom Feldkircher Malers Johann Rudolf Sturn, der seinen Namen unter dem jüngsten Gericht an der Rückseite der Kirche vereweigt hat. Neben dem vollständig erhaltenen Freskenzyklus in der Franziskuskirche von Mon werden ihm oder seiner Werkstatt auch Ausmalungen in den Kirchen von Lumbrein, Churwalden, Lantsch/Lenz und Degen zugeschrieben.

Dieses monumentale Darstellung des jüngsten Gerichtes ist ganz im Sinn der Botschaft der Gegenreformation: Erlösung für die Tugendhaften, Fegefeuer und Hölle für die Sünder. Beim genauen Hinblicken sieht man im oberen Teil links den Heiligen Franziskus und rechts oben die Heilige Klara.
Erstaunlicherweise ist im Hauptaltar aber nicht Franziskus dargestellt, sondern Benedikt von Nursia, der Gründer es Benediktinerordens – zusammen mit dem Heiligen Sebastian. Letztere spielt in der Bilderwelt der Bündner Kirchen eine wichtige Rolle, das gilt speziell für Mon, denn im 17.Jahrhundert wurde das ganze Dorf von einer Pestepidemie ausgelöscht.

Das erklärt auch die Tatsache, dass das Dorf heute keine eigenen Alpen mehr hat und das Vieh auf den Alpen der Nachbardörfer entweder auf der Alp Stierva oder der Alp Salouf sömmert. Der heutige Hochaltar entstand jedoch erst 1739/40 und die Darstellung des Heiligen Benedikt könnte eine Referenz an das Kloster Disentis sein, das im ganzen Kanton und namentlich in der Surselva ein wichtige Rolle spielt.

Einen franziskanischen Heiligen entdeckt man aber als Holzfigur über dem Hochalter: Sie zeigt den Heiligen Fidelis von Sigmaringen, der 1622 in der Schlacht von Seewis von protestantischen Bauern erschlagen wurde. Auf seinen Märtyrertod weist das Attribut des Morgensterns hin.

Wer sich die Musse nimmt die Deckengemälde etwas näher zu betrachten wird dort auf drei wichtige Szenen aus dem Leben des Heiligen Franziskus stossen: In der Mitte der Empfang der Stigmata (Wundmale) – links davon zwei Szenen aus dem Leben des Heiligen: Das Quellwunder – Ein Begleiter oder Bauer leidet während einer Wanderung großen Durst. Franziskus betet, und aus dem Felsen entspringt eine Quelle, die den Durst löscht; auf dem nächsten Bild sieht man Franziskus predigen, das Bild dürfte aber nicht das bekanntere Motiv der Vogelpredigt zeigen.

Die Episode mit den Stigmata wird in einem weitere Bild quer über die ganze Decke wiederholt

Interessant sind auch die beiden übrigen Bilder – sie zeigen eine Besprechung mit den Plänen der Kirche und die übergabe eines Kessels mit Münzen an den Baumeister. Damit wurde interessanterweise ein Bezug zur Baugeschichte hergestellt.

Von zentraler Bedeutung ist aber die Bemalung der linken Seitenwand mit drei Szenen aus der Franziskus-Legende. Anders als die Bilder an der Decke sind diese Bilder auch bechriftet und zwar wie folgt – die Sprache wurde leicht angepasst.

Ein Edelman lädt den H. Franciscus
zum Mahl und er verkündiget dem Edelman
dass sein Sohn werde sterben,
ehe er beichtet, und starb als bald.
Wie der H. Franciscus ein Kind,
so wunderbarlich vom Tod auferweckt, welches
es in einem Teich voll Wassers ertrunken worden ist.
Gleich erweckt er einen Knaben vom Tod,
welcher in dem Wasser ertrunken.
Nun hört euch über die Warnung,
dass jene Frevler, die am Festtag arbeiteten,
bestraft wurden und wieder gesund wurden.
Ein Mann wurde durch sein eigenes Schwert getötet,
weil er gegen den hl. Franziskus geflucht hatte.

Copyright für alle Bilder und Fotos: Dominik Landwehr
Literatur:
Erwin Poeschel : Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band II: Herrschaft, Prättigau, Davos, Schanfigg, Churwalden, Albulatal. Unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1937. Basel: Birkhäuser, 1957. Online: https://ekds.ch/library/book:009
Christian Schweize: Kapuzinermissionen in Graubünden. Erinnerungen an Seelsorge und Kultur des franziskanischen Reformordens im Bergland der 150 Täler. In: Helvetia Franciscana, Bd. 43, 2014, S. 11–80. online: https://helvetia-franciscana.org/ojs/index.php/hlfr/article/view/16013/15968
Röm.kath.Kirchgemeinde Albula: Online https://www.kath-albula.ch/mon
Wikipedia-Artikel zu Mon GR: https://de.wikipedia.org/wiki/Mon_GR