Als Notfall im Kantonsspital Chur

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Ein banaler Sturz auf einem vereisten Spazierweg am 30.12.2007. Schmerzen und die groteske Form des Armes lassen nichts Gutes vermuten. Auf ins Kantonsspital Chur.


Kaum zu glauben, welche Schmerzen ein gebrochener Arm verursachen kann. Ich versuch mir trotzdem ein paar Sprüche und Witze auszudenken. Nur funktioniert das heute irgendwie schlecht. Zudem ist mir der ganze Unfall extrem peinlich. Plötzlich dreht sich alles nur noch darum. Schön: die angeblich so unmenschliche Spitzenmedizin stellt sich hier in Chur als eine hochpräzise arbeitende Institution mit wunderbar einfühlsamen Leuten dar. Nein, es macht nichts, wenn ich weine, erklärt mir zum Beispiel die Röntgenassistentin. Ob der absurden Situation krieg ich gleichzeitig noch einen Lachanfall.
Trotzdem muss eine Vielzahl von Formularen aussgefüllt und unterschrieben werden. Geht nur links und sieht aus wie die Unterschrift eines Analphabeten. Bin ich allgemein, privat oder halbprivat gegen Unfall versichert? – Ein Telefon bringt Klärung. Ob ich Vollnarkose wünsche oder lokale Anästhesie? – Komische Frage: Was dient denn der Sache besser? – Nun, wir entscheiden für Lokalanästhesie. Toll, dann kann ich zuschauen. Schade hab ich meinen Fotoapparat nicht dabei. Ist vielleicht besser so…das würde wohl nicht so geschätzt hier.
Im Gipszimmer wird der Arm “reponiert”, wieder in die usprüngliche Form gebracht….Autsch. Mein Begleiter und Freund R, selber auch Arzt, weist mich darauf hin, dass das Schmerzmittel, das mir gerade verabreicht wird, 50mal so stark ist wie Morphium. Toll. Ich spüre gar nix mehr.
Und schon im OP. Mein Herzklopfen wird elektronisch verstärkt. Peinlich. Jetzt kann jeder hören, dass ich Angst habe. Absurde Vorstellung, dass ich hören könnte, wenn man Herz aufhören würde zu schlagen. Mors in tabula heisst sowas glaub ich. Ist heute aber nicht auf dem Plan.
Nix mit zuschauen. Die letzte freie Hand ist gerade mit Infusionen belegt. Und jetzt bauen sie ein grünes Zelt um meinen Kopf. Es herrscht ein Kommen und Gehen. Dann werden Stromimpulse durch meine Hand gejagt, trotz Betäubung zuckt es dann und wann deutlich…Man testet, ob alle Nerven noch richtig funktionieren, die brauch ich ja später noch.
Frage: Wieviele Leute sind eigentlich in diesem Raum? – Vier, sagt mir jemand. Um Gottes Willen, alles meinetwegen. Ist mir wirklich nicht Recht.
Wenig später ist der Spuk vorbei. Chefchirurg Sommer sagt, es sei alles gut gegangen. Ich kriege ein kleines Erinnerungsfoto (siehe oben). Wenig später im Krankenzimmer. Das Ganze scheint überstanden. Ich habe einen Bärenhunger. Typisch, höre ich meine Familie sagen….
Am nächsten Tag wird klar, was hier eigentlich los ist: Vor dem Haus liegen zwei Heli-Landeplätze. Ständig fliegen Rega-Helis an – und wieder weg. Am 29.12. sollen insgesamt 79 Notfälle behandelt worden sein.
Und jetzt wieder ganz ernst: Liebe Spital-Crew. Ich war einer von vielen an diesen hektischen Tagen. Und hatte keinen Moment den Eindruck, es herrsche Stress hier. Ihr wart alle ganz wunderbar. Vielen Dank.

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